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Andreas Maier und DIHK-Präsident Prof. Dr. Hans Heinrich Driftmann
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Buchbinderei: M. Appl GmbH & Co. KG im bayerischen Wemding
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Eine glückliche Hand fürs Buch
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Im raschen Takt schafft das Förderband geheftete und
beschnittene Seiten heran. Verschiedene Werkzeuge bearbeiten den
Buchrücken: wölben, anleimen, mit Leinenband versehen, Buchdecke um
den Block klappen, pressen, weiter. Kleine Sichtfenster geben den Blick auf die
folgenden Fertigungsschritte frei und zeigen dem Maschinenführer an der
Buchstraße, ob er eingreifen muss. Die Industriebuchbinderei M. Appl GmbH
&Co. KG im bayerischen Wemding hat sich auf die Herstellung von
fadengehefteten Soft- und Hardcovern spezialisiert, auf farbige Kataloge und
Bücher, die um Beilagen, Karten oder CDs ergänzt werden können.
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Andreas Maier überwacht gerade den Produktionsabschnitt, an dem die
Pappdecken eingelegt werden. Der hochgewachsene junge Facharbeiter beherrsche
inzwischen alle Maschinen ziemlich gut, sagt Betriebsleiter Thomas Kowalzik, ob
Falzmaschine, Fadenheftautomat, Klebebinder oder Buchstraße. Eine reife
Leistung für einen 20jährigen mit einem knappen Jahr Berufserfahrung.
Kein Zufall also, dass Maier die Ausbildung zum Industriebuchbinder 2009 als
„Bundessieger“ bestand. Er ist der zweite derart ausgezeichnete
Auszubildende im Hause M. Appl in Folge.
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Die Buchbinderei ist Teil der Firmengruppe Appl, zu der mehrere Druckereien im
gesamten Bundesgebiet gehören. Das Familienunternehmen wurde vor gut 100
Jahren in der Kleinstadt Wemding als Zeitungsverlag gegründet. Nach wie vor
wird hier gedruckt: Anzeigenblätter, Werbeprospekte, Buch- oder
Katalogseiten. Häufig wandern die Paletten mit den mehrfarbigen Bo-gen
gleich in die Nachbarhalle, um von den hauseigenen Weiterverarbeitern in
prächtige Bildbände, praktische Kochbücher oder robuste
Schulbücher verwandelt zu werden.
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Nur durch eine hohe Glasscheibe von der hochautomatisierten Fertigung getrennt
liegt die Werkstatt. Und doch könnte der Kontrast kaum größer
sein: Denn hier im „Sortiment“ entstehen Einzelstücke nach
allen Regeln der handwerklichen Buchbinderkunst. Fachkräfte stellen
Vorabmuster für die Verlagskunden her und unterweisen die Auszubildenden im
ersten Lehr-jahr in allen Techniken. „So erfahren wir, wie ein Buch
entsteht und be-kommen eine Ahnung davon, was in den Maschinen passiert“,
lobt Bundes-sieger Maier.
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Auch für Betriebsleiter Kowalzik trägt die Mustermacherei das
Entschei-dende zu einer guten Facharbeiterausbildung bei, weil, wie er sagt,
„hier die Auszubildenden ein Gefühl für das Buch, für die
Materialien und ihre Ei-genschaften entwickeln“. Das heißt
beispielsweise: Wer von Hand mit Kle-ber und Karton gearbeitet hat, weiß,
wie dick später der Leim in der Ma-schine sein darf. Oder: Wer begriffen
hat, dass Pappe eine Laufrichtung hat, merkt frühzeitig, wenn das Material
falsch in der Anlage liegt. Als Mitglied des Prüfungsausschusses der IHK
Schwaben für den Beruf Buchbinder/in Fachrichtung Buchfertigung (Serie)
kann Kowalzik Vergleiche ziehen: „Wer von Anfang an nur an einer
bestimmten Maschine steht, kann nicht so gut werden.“
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Potenzielle Azubis durchlaufen in der Firma ein mehrstufiges Auswahlverfahren.
In der Regel kommen Absolventen von Haupt- und Realschule zum Zug.
„Entscheidend sind weniger die Noten als der Wille, in dem Beruf arbeiten
zu wollen. Und der zeigt sich im Praktikum bei uns“, sagt Betriebsleiter
Kowalzik. Für Abiturienten komme die Tätigkeit als Industriebuchbinder
eher nicht in Frage, betont er. Schließlich handle es sich um
„Fabrikarbeit“ im Zwei- oder Drei-Schichtbetrieb mit begrenzten
Aufstiegsmöglichkeiten bei einer Belegschaft von knapp 100
Beschäftigten.
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Zugleich sieht Kowalzik, der selbst die Meisterschule für Buchbinderei
besucht hat, wie viel Entwicklungspotenzial in der Weiterverarbeitung stecken.
„Wir brauchen neue Ideen; wir müssen die Kunden viel mehr
beraten“, sagt er. Den Preiskampf in der Branche bestehe nur, wer mehr
anbiete als einen schlichten Einband um bedruckte Seiten. Der
Betriebsleiter denkt an Materialien, die einen besonderen haptischen Eindruck
auslösen, an den Einsatz von Siebdruckverfahren oder besondere
Lackierungen. Ohne talen-tierte und engagierte Facharbeiter geht das nicht.
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Dabei weiß Kowalzik, wie schwierig es ist, gute Buchbinder im Werk zu
halten. Der erste „Bundessieger“ etwa wird demnächst die Firma
verlassen und von der Buchstraße auf die Schulbank wechseln, um die
Fachhoch-schulreife zu erwerben. Für das mittelständische Unternehmen
heißt das: Wir müssen neue Wege der Nachwuchsförderung gehen.
Das ist die Aufgabe von Jennifer Ellinger. Sie betreut das Duale Studium in der
Firmengrup-pe Appl.
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Erfahrungen gibt es in Wemding bereits mit dem Abschluss in Betriebswirtschaft
in Kooperation mit der Berufsakademie (jetzt: Hochschule) Heidenheim. Nun wird
auch noch das Wirtschaftsingenieurwesen dazu kommen. „Ziel ist“,
sagt Ellinger, „geeignete junge Leute für das mittlere Management an
das Haus zu binden.“ Solche Positionen sind immer häufiger in dem
Unternehmen mit knapp 850 Beschäftigten in sieben Werken zu besetzen. Auf
passende Hochschulabsolventen kann und mag die Firma nicht warten: Wer kommt
schon in die Provinz zurück, wenn er oder sie mal an das Leben in einer
Universitätsstadt gewöhnt ist? Da wirbt Ellinger lieber gleich an den
Gymnasien und Fachoberschulen der Umgebung mit der Chance auf eine kompakte
Doppelqualifizierung in der Region – spätere Karriere an den
Appl-Standorten mit Nähe zu Hamburg oder München nicht ausgeschlossen.
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Helga Ballauf
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Mehr über die Bundessieger/innen finden Sie auf der Mediencommunity-Website
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