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Thema: Schriften

  1. #1
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    Standard Schriften

    Hallo,
    kennt jemand vielleicht eine Internetseite, die mir Aufschluss darüber gibt, welche Schriften miteinander kombiniert werden können. Es heißt immer nie mehr als zwei, aber eine spezielle Angabe wird nie gemacht. Ich habe jetzt zwar nicht die große Schriftensammlung auf meinem Rechner, aber es müssen doch Regeln oder Tabellen existieren. Ich weiß, dass eine Antiquaschrift zu einer Groteskschrift passt (wobei es auch hier wieder Ausnahmen gibt), aber ich finde das ein bißchen vage. Wie finde ich jetzt z.B. heraus, ob ich die Garamond mit der Arial mischen kann oder die Gill mit der Times? Für Hinweise wäre ich Euch sehr dankbar.

  2. #2
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    Standard Re: Schriften

    Hallo

    Wenn man sagt dass man nicht mehr als 2 Schriften mischen soll dann bedeutet das, man soll das Auge des Betrachters nicht dazu verleiten ohne Orientierung von einer Zeile zur anderen oder von einem Wort/Headline zur nächsten hin und her zu springen.

    Das irritiert den Leser nur und Irritation ist nicht angesagt.

    Headline fette Helvetica, Bodytext normale Helvetica ist schlicht und OK.

    Headline fette Helvetica, Bodytext normale Times ist OK.

    Headline fette Helvetica, Bodytext normale Futura ist nicht OK, weil das Schriften aus ein und derselben Schriftgruppe sind. Da gibt es also Buchstaben die sich sehr ähnlich sind und die der Laie auf anhieb nicht voneinander unterscheiden kann. Andere Lettern dagegen sind doch wieder sehr unterschiedlich. Das führt zu ungewollter Irritation und ist sehr schlecht.

    Headline fette Helvetica, Subline oder kleinere Headline fette Times und Bodytext normale Clarendon geht aus mehreren Gründen nicht: die Schriften sind sehr unterschiedlich und das schafft klare Kontraste - was gut ist - aber es sind hier schon wieder zu viele Kontraste die direkt aufeinander folgen: Head, Subhead, Body. Zeile 1, Zeile 2, Zeile 3ff. Das ist fast Schriftmusterbuch.

    Für einen Titel eines Prospektes kann ich mir vorstellen: Titel in Gill Black, Headlines in Times Condensed Bold, Bodytext in Futura Condensed Roman kursiv und einen roten schräg gestellten Balken mit weisser Schrift in Times Condensed Bold Kursiv.
    Dabei sind die Texte und deren Inhalte und Positionierungen unterschiedlich genug um fast alle auch unterschiedlich gestaltet zu sein.

    Anderes Beispiel:
    Eine Seite Text in einem Kulturprospekt: Tage klassischer Musik in Baden-Baden. Headlines Times fett condensed, Bodytext Times roman, Kapitelüberschriften in Helvetica bold, Hervorhebungen im Text in Times kursiv, Marginalien in Helvetica condensed roman, insgesamt also 5 Schriften in 3 Schriftgrössen. Das geht dann, wenn jede Schrift und -grösse ihre ganz bewusst zugewiesene Funktion hat und diese für den Betrachter/Leser auf Anhieb auch klar erkennbar ist. Dann gibt es auch keine Irritationen ... siehe Anfang.

    Viel Spass beim ausprobieren !!

    Grüsse
    Earl

  3. #3
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    Standard Re: Schriften

    Hi,
    Schriftmischung ist die Kombination zweier oder mehrerer abweichender Schriftarten und erfolgt aus zwei Gründen:
    - zur Auszeichnung im Satz
    - oder zur Hervorhebung von Überschriften, Rubriken etc.

    Für die Schriftmischung gibt es kein Patentrezept oder eine immer anzuwendende Checkliste. Schriften zu mischen erfordert typografisches Feingefühl und Kenntnis der Schriften. Hinzu kommt noch die unterschiedliche Sichtweise traditioneller und moderner Typografie.

    Trotz dem ist Schriftmischung kein Glücksspiel. Entscheidend ist der Duktus der miteinander kombinierten Schriften. Ideale Schriftmischungen ergeben sich bei der Kombination von Schnitten aus Schriftsippen (Thesis, Rotis, Officina, Eidetic): Hier haben Serif- und Sans-Serif-Schnitte des gleichen Gewichts auch den gleichen Duktus. Teilweise spricht man allerdings bereits von einer Schriftmischung, wenn ein Kursiv-Schnitt bzw. halbfetter Schnitt zur Auszeichnung verwendet wird.

    ...

  4. #4
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    Standard Re: Schriften

    Auch Schriften aus verschiedenen Schriftgruppen können auf einem ähnlichen Duktus basieren. So kann man grob folgende Stilrichtungen des Duktus unabhängig von der Schriftgruppe unterscheiden:

    Dynamischer Stil
    Dynamische Schriften haben eine horizontale Ausrichtung der Buchstabenformen und strahlen dadurch eine Vorwärtsbewegung aus.
    Dazu gehören zum Beispiel folgende dynamische Antiquaschriften:
    Sabon, Bembo, Meridien, Palatino, Weidemann, Stempel Schneidler, Baskerville, Janson. In erster Linie als Antiqua der Gruppe Renaissance-Antiqua und Barock-Antiqua und dynamische serifenbetonte Schriften wie PMN Caecilia, The Serif und Joanna.

    Aber auch Sans-Serif-Schriften, deren Formen sich an den dynamischen Antiquaschriften orientieren, gehören zu den dynamischen Schriften, wie z.B. Syntax, TheSans, Stone Sans, Formata, Gill, Meta und Fago.

    Statischer Stil
    Schriften mit einem statischen Stil haben eine mehr senkrechte Ausrichtung in ihren Buchstabenformen. Bei der Antiqua sind dies vor allem die Schriften aus der Gruppe der Klassizistischen Antiqua wie Bodoni, Walbaum, Centennial, Fairfield, Melior. Auch hier basiert das Pendant bei den Groteskschriften in ihren Formen auf den statischen Antiquaschriften. Die bekanntesten Vertreterinnen sind Helvetica und Arial. Aber auch Univers, Folio, Imago, Vectora und Franklin Gothic sind dieser Gruppe zuzuordnen.

    Geometrischer Stil
    Geometrische bzw. konstruierte Schriften gibt es vor allem bei den Grotesk- und serifenbetonten Schriften. Alle Buchstaben basieren – wie der Name bereits andeutet – auf einer geometrischen Konstruktion.
    Hierzu zählen einerseits Futura, Kabel, Avant Garde und Avenir, anderseits auch Memphis, Rockwell und andere.

    Dekorative
    Letztendlich gibt es noch die Schriften, die einen dekorativen Charakter haben. Sie fallen aus dem rahmen und wollen provozieren.

    Eine Statische Grotesk wie die Univers lässt sich gut mit einer ebenfalls statischen Antiqua wie der Walbaum mischen.

    Jedoch sollte man niemals Schriften der gleichen Schriftgruppe mischen. Dadurch wird kein Kontrast erzeugt. Das Mischen von Futura und Avant Garde wäre beispielsweise ein typografischer Fehlgriff.

    Auch zwei dynamische Schriften ergänzen sich gut. Eine Kombination von Syntax und Adobe Garamond ist eine sichere Lösung.

    Wollen Sie einen stärkeren Kontrast schaffen, können Sie auch Schriften mischen, die sich im Duktus stark unterscheiden. Hierfür ist aber ein feines typografisches Gespür notwendig. Eine gewagte – aber trotzdem noch funktionierende Schriftmischung – wäre Berthold City mit Adobe Garamond.

    So weit die klassische Herangehensweise an das Kombinieren von Schriftarten. Bevor man neue und extravagante Wege einschlagen will, sollten diese verstanden und geübt werden.
    Das Wichtigste ist, gründlich über die Schriftwahl und die entsprechenden Kombinationen nachzudenken und auch verschiedene Kombinationen als Muster anzulegen und auszudrucken.

    Mit der Zeit entwickelt man dafür auch ein Auge ob eine Kombination gut zusammenpasst.

  5. #5
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    Standard Re: Schriften

    Und zum Abschluss dieses kleinen Ausflugs in die Schriftmischung noch ein paar Literaturtipps:

    Hans Peter Willberg - Wegweiser Schrift
    http://www.mediengestalter2000plus.d...hp?f_buchID=79

    Dreiklänge SchriftMischMusterbuch
    http://www.typografie.de/verlagsverz...fie/503-0.html

    Tschau und viel Spaß mit Schrift & Typografie
    Peter


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