Hallo,
ich habe eineinhalb Jahren eine betriebliche Umschulung zur Mediengestalterin begonnen. Wunderbar. Ich mag diesen Beruf sehr, bin da an der richtigen Stelle und habe gute Noten in der Schule.
In dem Betrieb in dem ich die Umschulung begonnen habe herrscht aber eine absolut schlechte Stimmung. Mein Ausbilder, mit dem ich mit noch einem Kollegen im Satzraum gearbeitet habe, hat permanent absolut schlechte Laune. Phänomenal. Ich habe noch nie erlebt, dass jemand so ablehnend und so unzufrieden mit seiner Arbeit, den Kunden, dem Chef, den Kollegen usw. ist. Ich habe mir seit einenhalb Jahren von morgens halb acht bis nachmittags um vier angehört wer "ein Arschloch, ein Versager, ein Idiot, eine dumme Kuh, ein Volldepp, wer unfähig, dämlich, dumm, widerlich" usw. ist. Es gibt keine anderen Gesprächsthemen. Nie. Ohne eine Ausnahme.
Ich muss dazu sagen, dass ich persönlich mit ihm nie Streit hatte. Allerdings habe ich eine Vorstellung davon, wie er anderen gegenüber von mir redet. So wie er eben mit mir über andere Kollegen usw. redet.
Ich habe Trauerkarten und Müllkalender gesetzt, sonst nicht viel. Ausbildung im Wortsinn gab es nicht. Man muss ihnen alles wie Würmer aus der Nase ziehen und hat den Eindruck, dass sie jede Frage in ihrer Arbeit stört. Noch dazu fehlen dem Betrieb die technischen Vorraussetzungen um auszubilden. Man traut es sich kaum zu schreiben, aber es gibt dort keinen Kopierer, der Farbdrucker funktioniert nicht wirklich, ebenso der Scanner usw.
In der Schule ist viel Unterricht ausgefallen. Die Azubis die mit mir angefangen haben, haben im Mai Zwischenprüfung. Bei mir steht im Mai bereits die Abschlussprüfung an. Die Zwischenprüfung habe ich letztes Jahr nach nur ein paar Monaten Ausbildung gemacht und hatte immerhin in der Theorie die beste Arbeit und war und bin auch stolz darauf. Aber von nichts kommt nichts. Alles was ich im Betrieb oder in der Schule nicht lerne muss ich nachholen. Nach einem ganzen Arbeitstag bedeutet das nachts weiter zu lernen.
Ich habe eine schwerbehinderte, pflegebedürftige Tochter. Ganz abgesehen davon habe auch ich eine Behinderung die mich an nichts hindert, aber manches anstrengender macht. Nach diesen eineinhalb Jahren war einfach keine Energie mehr da. Vor allem nicht für endloses Geschimpfe, Genörgel, Geläster.
Ich kann dem mittlerweile nichts mehr entgegensetzen und vor allem funktioniert auch Lernen und gleichzeitig weghören nicht.
Was würdet ihr machen? Einen fähigeren Betrieb suchen. Habe ich gemacht. Mit der Folge, dass das Arbeitsamt die Umschulungsmaßnahme abgebrochen hat und die Zahlungen ab sofort einstellt.
Ich habe gute Noten, einen Betrieb gefunden der mich weiter ausbilden will und das auch kann, werde die Prüfung in jedem Fall bestehen und hatte einen Bildungsgutschein. Ach ja, nur für die paar Monate macht ein Wechsel in einen anderen Betrieb natürlich keinen Sinn. Ich hatte vor, wie eine andere Umschülerin das seit Beginn ihrer Umschulung tut, den Rest in Teilzeit zu absolvieren. Die Ihk und die Schule haben damit kein Problem. Auch mein neuer Arbeitgeber nicht, der den Umschulungsvertrag in Voll- oder Teilzeit in bestehnder Form übernehmen will.
Im Arbeitsamt ist seit mehr als zwei Wochen niemand zu ereichen der zuständig ist.
Überhaupt werden die Durchwahlen zu den Sachbearbeitern nicht mehr mitgeteilt. Jeder Kontakt mit der Agenur für Arbeit läuft nur noch über ein Callcenter. Innerhalb von 48 h wird man zurückgerufen. Ohne Termin nützt auch persönliche Vorsprache nichts. Der Dienststellenleiter ist nicht da. Es ist immer noch nicht geklärt welche Abteilung in welcher Stadt zuständig ist. Ich hatte keine Gelegenheit die Situation zu schildern.
Die Unterhaltszahlungen wurden gestrichen, da ich die Ausbildung ohne wichtigen Grund (!?) abgebrochen hätte. Außerdem weil ich den Betrieb gewechselt habe ohne die Zustimmung des Arbeitsamtes einzuholen. Was aber wegen dem Callcenter, Zuständigkeitsverwirrung usw. nicht möglich war. Wie reagiert man darauf? Rechtsanwalt?
in völliger Verwirrung und Verwunderung
Karlchen


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