Hallo an alle Leser/innen,
die Prüfungen sind nun ausgewertet und alle haben bestanden.
Die meisten die ich kenne haben im Gesamtschnitt die Note 3. Das kann man nun befriedigend finden.
Ich bin leider niemand, der sich mit einem "befriedigenden Ergebnis" schmückt.
Da sich die meisten sowieso nicht in diesem Beruf eine persönliche Zukunft vorstellen, ist es jenen auch egal.
Ich zähle mich nicht dazu.
Ich beziehe mit auf PRINT.
Leute, die sich in der Nacht zuvor zum ersten mal mit den erforderlichen Funktionen in InDesign beschäftigten und sich in der Prüfung dann mit Notlösungen helfen mussten haben in einer Teilaufgabe die Note 1.
Andere hingegen, die fachlich und technisch alles einwandfrei angelegt haben, z.B. Absatzformate, Tabellenformate, Zellenformate und so weiter haben in der selben Aufgabe die Note 3-4.
Das war schon immer so in Prüfungen und wird auch immer so sein. Deshalb schmunzle ich darüber.
In der Tat wünsche ich Niemandem, dass seine gute Note aberkannt wird, schließlich befinden wir uns alle im selben Boot und sicherlich ist das auch nicht möglich.
Ein Arbeitgeber schmunzelt ebenso und legt die schlechten Noten getrost bei Seite, denn es gibt ja noch die "Guten".
… Das haben ein großer Handlungsspielraum und die gelobten "Freiheiten" zur Folge.
So wie ich das sehe:
Theorie: Man hätte Digital- und Print gleichauf lernen sollen, mit einer Gewichtung in eine Richtung.
Praxis: Man lernt ganz viel von einem und ganz ganz wenig vom anderen. (so wenig, dass es für die theoretische Prüfung gerade noch reicht)
Ergebnis: Man kann nur eines wirklich.
Ich habe erfahren, dass die Zeugnisnoten angezweifelt wurden (es war sogar von einer Fälschung die Rede), weil sie nicht mit den Prüfungsergebnissen übereinstimmten.
Die meisten in meiner Klasse haben mindestens einen 2er, wenn nicht einen 1er -Schnitt, deshalb zweifele ich diese Aussage auch hinsichtlich ihrer Existenz nicht an – im Vergleich mit den 3-4er Durchschnitten resultierend aus der Prüfung liegt eine derartige Vermutung nahe.
Das zeigt, welch großen Einfluss diese – laut Aussage von Mitschülern: "gewürfelten" – Noten haben (Möge sich an dieser Stelle bitte niemand angegriffen fühlen. Leider folgen auf eine derart intransparente und "von Freiheiten geförderte" Ergebnisfeststellung der Prüfung oft solche Äußerungen, was jeder der eine langjährige Schullaufbahn hinter sich hat bestätigen kann). Zugleich zeigen diese Noten ja nicht ein reelles Abbild des Könnens eines Schülers / Lehrlings bezogen auf den Beruf. Denn im Nachhinein finde ich es übrigens sehr lustig (im Nachhinein ist man ja immer schlauer), dass man als Digital- und Print-Mediengestalter im praktischen Teil z.B. nur in Print geprüft wird; im theoretischen Teil allerdings auch im Digital-Wissen. Abgesehen davon könnte wahrscheinlich sowieso nahezu kein Printler die praktischen Web-Aufgaben befriedigend lösen und umgekehrt. Es gibt allerdings jene, die es könnten, weil sie es von Anfang an (auch ohne diese Ausbildung!, z.B. aufgrund von Eigeninitiative) gekonnt hätten. Ist das der Sinn einer solchen Ergebnisfeststellung/Berufsausbildung??? So wäre ja der aktuelle Ausbildungsberuf samt des Rahmenplans hinsichtlich der reell geforderten Bedürfnisse des Arbeitsmarktes hinfällig. Bestimmen also nun der Arbeitsmarkt / die Arbeitgeber den Rahmenplan oder die, die letztlich eine Ahnung davon haben, was einer Person eigentlich zugemutet werden kann?
Ist es mit diesem Hintergrundwissen nicht irrwitzig, wenn man sich in diesen Tagen bewerben will?
Es wird ja nahezu kein reiner Printler mehr gesucht. Theoretisch hätte ich jetzt vielleicht ein bisschen Web-Wissen, z.B. was ist Frontend und Backend *lach*, aber praktisch habe ich noch nicht mal einen blassen Dunst, wie das funktioniert.
Es wird überall die Eierlegende-Wollmilchsau gesucht. Ist das nun Resultat des Arbeitsmarktes oder reagiert hier der Arbeitsmarkt nur auf die neu erschaffenen Berufsbilder im Irrglauben, dass der Mediengestalter für Digital- und Printmedien jetzt alles abdecken kann.
Ein Beispiel:
Es wird nach einem Mediengestalter gesucht, der:
• Printprodukte erstellt, kontrolliert etc.
• Texte schreibt.
• Webseiten erstellt, kontrolliert, pflegt.
• Messen und Roadshows organisiert.
• Marktforschung betreibt.
Das ist ein Profil für einen Mitarbeiter.
Für mich wären das vier-fünf Arbeitsplätze und Berufe.
Aber vielleicht finden die ja jemanden, der das alles kann und für ein Gehalt auch umsetzt.
So werden Arbeitsplätze vernichtet.
Genau das passiert doch: Man hat einen Schein, der besagt, man sei Mediengestalter für Digital- und Printmedien.
Vielleicht ist es ja vorgesehen dass der Mediengestalter jetzt beides abdecken kann, aber dann sollte man es doch auch gelernt haben. Oder?
Nicht mal die Prüfung erfordert das praktische Wissen. Da einem das bisschen theoretische Digital-Wissen nichts in der Praxis bringt (es sei dahingestellt) und man dadurch nur den Notendurchschnitt "verbaut", kann man es doch gleich weglassen. Oder eben, man macht es von Beginn an ordentlich, so dass man etwas damit anfangen kann (Ich spreche hier aus, was sich viele nur denken, was im Endeffekt aber die Realität zu sein vermag. Wer würde schon zugeben, dass er keine Ahnung hat und sich damit seinen Arbeitsplatz verbauen. Das ist einer der Gründe, warum man von den "Ausgebildeten" nichts mehr hört!) Schließlich und endlich strebe ich persönlich "Perfektion" an. Sicherlich ist das nicht die Intention eines Arbeitgebers, der Geld verdienen möchte oder die eines durchschnittlich begabten Gestalters, der für seinen Lebensunterhalt arbeitet, letztlich jedoch sollte es die eines jeden sein, der auf Dauer im Geschäft bleiben möchte. Es gibt auch noch Menschen, die für das Design leben. Es gibt Leute, die es lieben das zu erschaffen wovon andere Träumen. Perfektion im Design ist kein Luftschloss, sondern gebaut aus Trends und Marktforschung. Es gibt Leute, die das beherzigen und umsetzen wollen. Die es lieben. Eine Prüfung und die daraus resultierenden Noten werde das aber nicht feststellen. Und einen Differenzierung zwischen Print und Digital wird auch nicht möglich sein. Es ist meiner Meinung nach nur dann möglich jemanden in beiden Richtungen auszubilden, wenn er auch beide Richtungen gelehrt bekommt. Diese Ausbildung würde auch 6 Jahre dauern.
Das wird in der Kürze der Lehrzeit aber nicht möglich sein. Schlussendlich wurde mit diesem Berufsbild doch nur ein Luftschloss angefangen, das nach drei Jahren Lehrzeit gar nicht fertiggestellt werden kann. Ich sehe den Trend dahin gehen, dass noch mehr Inhalte in das Berufsbild gepackt werden. Das wird noch mehr Arbeitsplätze kosten und keine erschaffen.
Traurig.
Grüße
Edit: Ob dieser Beitrag nun hierher passt, weiß ich leider nicht. Ich sah keinen anderen geeigneten Ort dafür im Kontrollzentrum. Bitte möge man ihn dorthin verschieben, wo er aus fachlicher Sicht hin passt. Vielen Dank und Grüße.


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