»Man kann einen Text nicht nicht gestalten. Wie immer wir ihn ›kleiden‹, ob bewusst, gekonnt, unbewusst oder ungekonnt, wir interpretieren und inszenieren den Text. Und tun ihm damit nicht immer einen Gefallen.« Friedrich Forssman weiß dies zu verhindern, indem er dem Text entgegenkommt und sich mit Vergnügen den Inhalten unterordnet. So trifft einer der bedeutendsten und meist ausgezeichneten Buchgestalter und Typografen Deutschlands auch auf dem Papier den richtigen Ton.

Erfolg adelt. Und wenn einer Arno Schmidt in eine außerordentlich lesbare Satz- und Buchform bringt, dafür eigenhändig seine Tastatur erweitert und sich 20 Jahre lang durch 120.000 Zettel wühlt, hat er sich den Titel »Typo-Graf« redlich verdient. Aber damit nicht genug: Mit drei Standardwerken vom Starter-Kit bis zum Gestaltungs-»Duden« bringt Friedrich Forssman Licht ins typografische Dunkel, mit seiner »Agentur gegen Redesign« bewahrt er bewährte Gestaltung, und indem er auch auf dem Papier den richtigen Ton trifft, schenkte er der Welt zwei ihrer schönsten Bücher.

Ob Buch, Ausstellung oder Katalog – die Auseinandersetzung mit seinen Gestaltungsobjekten ist ein permanenter Spiegelabgleich. Die, für die er gestaltet, stellt er sich vor wie sich selbst. Er schaut ihnen »geradeaus in die Augen und gibt ihnen etwas, zu dem er ganz und gar stehen kann«.

Gerade in der Typografie will er Rechenschaft ablegen können über seine Überlegungen und die Wahl der Mittel – dafür lässt er den Inhalten gerne den Vortritt. Als Buchgestalter will er dem Leser Entscheidungen abnehmen, für die er Lösungen vertreten kann. Die Mühen der typografischen Ebene haben gefälligst »Hintergrundphänomen für alle außer für Typografen und Hardcore-Bibliophile zu sein«.

In seinem Vortrag teilt Forssman seine Erfahrungen auf verschiedensten Gebieten der Gebrauchsgrafik. Ein Ausflug in die Dienerschaft der typografischen Kunst, das Glück der hohen Konzentration und die immerwährende Faszination für die bildgewaltige Kraft von 26 Buchstaben.

FRIEDRICH FORSSMAN:
»Im Windschatten der Inhalte – Über die künstlerische Dienerschaft der Typografie«

Dienstag, 24. Juli 2012, Beginn 19.30 Uhr
Halle 27, Hirschgartenallee 27, 80639 München
Eintritt 9,– €/ermäßigt 6,– €, für tgm-Mitglieder frei
Anmeldung über: http://tinyurl.com/bnu6v5n

VORPROGRAMM: HUGO HOPPMANN stellt seine Schrift SUPER GRACE vor
NACHTAUSGABE: Diskussionsrunde mit den Referenten in der nebengelegenen ROTIS'SERIE

http://tinyurl.com/bnu6v5n