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Fachübergreifende Literatur

Der Typo-Atlas
Autor: Günter Schuler
Verlag: SmartBooks Publishing AG
ISBN: 3908490286
Preis: 49,90 Euro
Seiten: 544
Kategorie: Gestaltung
Typ: Hardcover
Meinungen:
Rezensionen: Buch Rezension
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Inhaltsverzeichnis:
Teil 1 - Das Terrain
- Kapitel 1 - Die Qual der Wahl
- Kapitel 2 - Old School/New School: Kontext-Probleme
- Kapitel 3 - Schrift-Designer/innen: Die grossen Unbekannten
- Kapitel 4 - Markt - Die Grossen: Szene, Geld, Lizenzen
- Kapitel 5 - Markt - Unabhängige: Junge Wilde & Shareware
- Kapitel 6 - Technics: Alles ist unterschiedlich
- Kapitel 7 - Mikro-Typografie: Der gute Satz
Teil 2 - Die Fonts
- Kapitel 8 - Schriftgeschichte & Klassifikation: Von Antiqua bis Underground
Teil 3 - Stile & Moden
- Kapitel 9 - Typografische Stile & Moden
Teil 4 - Infothek
Rezensionen
Rezension von: Peter Reichard, 15.01.2003
Bewertung:
Günter Schuler, Schriftsetzer, Grafiker und Autor dieses Buches, beginnt zunächst damit den Rahmen der Typografie, mit der wir Tag für Tag umgehen abzustecken. Man merkt von Anfang an, dass es ein Ziel des Buches ist, gerade diejenigen für Typografie zu interessieren und zu begeistern, die ihr bisher zurückhaltend gegenüber standen. Typografie für jene neu und aktuell aufbereitet, die Typo bisher als längst ausgedientes »Hobby« alter Setzer/innen, abgekanzelt haben.
So beginnt Schuler eben nicht mit DIN-Schriftklassifikation und Satzregeln, sondern mit einer interessanten Einführung in die Geschichte der Typografie und Schriften. Mit dieser Einführung wird dann klar, dass Bauhaus nicht in erster Linie ein Baumarkt ist, sondern für eine Gestaltungsschule der 20er Jahre steht. In den drei folgenden Kapiteln geht es um die Macher und Macherinnen. Um die Typedesigner/innen, Typolabels, die großen wie die kleinen. Von den großen Anbietern wie Adobe, Fontshop, URW bis hin zu den Labels, die sich auf bestimmte Fonts spezialisiert haben wie House Industries. Auch die Free & Shareware-Fonts, wie man sie massenweise im Internet finden kann, bekommen ihren Platz.
Da jeder der mit Schriften arbeitet, auch eine gehörige Portion an Wissen über Fonttechnologie (TrueType, PostScript, Fonts für PC und MAC etc.) benötigt, fehlt auch dies im »Typoatlas« nicht. Und auch wenn manche bei Satzregeln aufstöhnen mögen, eine gute Schrift muß auch gut gesetzt werden und dazu sind die Satzregeln eine wichtige Richtschnur. Schuler geht es nicht nur um das richtige Spationieren von Telefonnummern, sondern er geht darüber hinaus und gibt Hinweise wie ein möglichst guter Satz in Punkto Lesbarkeit, Schriftmischung, Schriftwahl, Verwendung von Negativ-Schrift etc. zu schaffen ist. Den Abschluß macht eine gute Typo-Checkliste, die gerade Anfänger/innen für ihre Arbeiten nutzen sollten. Doch auch alte Hasen der Typografie finden sicherlich noch den ein oder anderen Tipp.
Der größte Teil mit 250 Seiten nimmt die Vorstellung der Vielzahl von Schriften ein. Schuler geht allerdings nicht von der zwar immer noch geltenden, aber nicht unbedingt zeitgemäßen DIN-Schriftklassifikation aus, sondern hat eigene, modernere Kategorien aufgestellt, ohne den Anspruch zu haben, die DIN 16518 zu modernisieren.
Zu jeder Schriftkategorie bekommt man Informationen über Geschichte und Schriftentwicklung, über Erkennungsmerkmale bis hin zu den Typedesigner/innen.
Schriftmuster gibt es ebenso wie Informationen, wie gut die Schrift ausgebaut ist, wie viele Schnitte sie hat und bei welchem Anbieter man die Schriften bekommen kann.
Neben den klassischen Schriften - Antiquas, Grotesk, Serifenbetonte etc. - findet man hier auch Kategorien wie Underground, Gothic, Jugendstil, Art Deco sowie zu modernen Auszeichnungsschriften.
Denn Buchabschluß macht ein spannender Streifzug durch Typografische und gestalterische Stilgeschichte mit Jugendstil, neue Sachlichkeit, Art Deco bis hin zu Punk, New Wave und auch der Gegenwartstypografie.
In der Infothek findet man noch Informationen über die Schriftangebote der Fontanbieter, über Schriftdesigner/innen und Literaturhinweise.
Anbei gibt es noch eine CD-ROM mit einigen Shareware-Fonts und ein Informatives Typoposter.
Wie man aus der ausführlichen Beschreibung schon erkennen kann, steckt das Buch voll mit Typo-Infos. Meiner Meinung nach ein erstklassiges Buch für Neueinsteiger/innen, alte Hasen und Typo-Fans. Kaum was wird ausgelassen, aber der wahre Plus des Buches liegt daran, denjenigen, die bisher sich nur mit Murren der Typografie und Schriften auseinandergesetzt haben, auf den Geschmack zu bringen. Wer dieses Buch gelesen hat wird nie wieder lediglich mit Arial und Times seine Drucksachen setzen. Es ist kein klassisches Typografie-Lehrbuch, sondern mehr eines, das auch Wissen rund um Schriften, ihre Entwicklung und ihre Macher/innen gibt. Und trotzdem habe ich kaum eine bessere Erklärung der Fonttechnologie auf so knappen Raum gesehen. Wer ein gutes Buch über Schriften und Typografie sucht ist mit dem »Typoatlas« bestens beraten.
Rezension von: Thomas Zimmer, 17.02.2003
Bewertung:
Wieder so eine dicke Schwarte über Schriften - das Inhaltsverzeichnis verrät aber schon Einiges und Neues: Umfangreiche Abschnitte zu Epochen der Schriftentwicklung bis zur sog. Klassischen Moderne (erwartet), zu Satzregeln/Mikrotypografie (unerwartet und gut), zu Schriftbennungen (gehört sich so), aber auch zu Schriftformaten.
Damit wird das Buch zu einer umfassenden Fundgrube, die ordentlich durchgeschmökert jeder Mediengestalterin oder ihrem Lehrer noch etwas Neues bieten kann.
Hervorragend sind die letzten 50 Seiten mit Glossar, Informationen über Schriftbibliotheken und Schriftdesigner sowie einer chronologischen Schriftenübersicht.
Der Hauptteil widmet sich natürlich den einzelnen Schriftgruppen mit praktikabler Unterteilung der Groteskschriften (wie auch schon das Heft »Schriften erkennen« aus dem Verlag H. Schmidt, Mainz). Die Gruppenmerkmale werden erläutert, mit Beispielen illustriert und auf Doppelseiten findet dann zu einem Oberbegriff ein umfangreiches Schaulaufen statt. Ist man dann solcherart mit Informationen und Schriftnamen versorgt, findet sich auf einem Firmenrechner bestimmt der eine oder andere Font, der die eigene Gestaltungsidee besser umsetzen hilft.
Das wäre allein schon eine Empfehlung wert, das Sahnehäubchen für angehende Mediengestalter sind für mich aber die Ergänzungen zu den Epochen der Schriftgeschichte. Wo andere Bücher aufhören, macht Schuler weiter und bietet einen schicken Überblick über typografische Moden vom Historizismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts über Jugendstil, Elementare (Bauhaus-)Typografie, Schweizer Typo der 60er Jahre zu Punk, Postmoderne und experimentellem DTP.
Wer hier blättert, verliert zugegeben den Rest seiner typografischen Unschuld, erhält dafür aber (fast) alles an knowhow, um Schriften überlegt und zielgerichtet einzusetzen.
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