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Günter Schuler, Schriftsetzer, Grafiker und Autor dieses Buches, beginnt zunächst damit den Rahmen der Typografie, mit der wir Tag für Tag umgehen abzustecken.
Man merkt von Anfang an, dass es ein Ziel des Buches ist, gerade diejenigen für Typografie zu interessieren und zu begeistern, die ihr bisher zurückhaltend gegenüber standen. Typografie für jene neu und aktuell aufbereitet, die Typo bisher als längst ausgedientes »Hobby« alter Setzer/innen, abgekanzelt haben. So beginnt Schuler eben nicht mit DIN-Schriftklassifikation und Satzregeln, sondern mit einer interessanten Einführung in die Geschichte der Typografie und Schriften. Mit dieser Einführung wird dann klar, dass Bauhaus nicht in erster Linie ein Baumarkt ist, sondern für eine Gestaltungsschule der 20er Jahre steht. In den drei folgenden Kapiteln geht es um die Macher und Macherinnen. Um die Typedesigner/innen, Typolabels, die großen wie die kleinen. Von den großen Anbietern wie Adobe, Fontshop, URW bis hin zu den Labels, die sich auf bestimmte Fonts spezialisiert haben wie House Industries. Auch die Free & Shareware-Fonts, wie man sie massenweise im Internet finden kann, bekommen ihren Platz.
Da jeder der mit Schriften arbeitet, auch eine gehörige Portion an Wissen über Fonttechnologie (TrueType, PostScript, Fonts für PC und MAC etc.) benötigt, fehlt auch dies im »Typoatlas« nicht. Und auch wenn manche bei Satzregeln aufstöhnen mögen, eine gute Schrift muß auch gut gesetzt werden und dazu sind die Satzregeln eine wichtige Richtschnur. Schuler geht es nicht nur um das richtige Spationieren von Telefonnummern, sondern er geht darüber hinaus und gibt Hinweise wie ein möglichst guter Satz in Punkto Lesbarkeit, Schriftmischung, Schriftwahl, Verwendung von Negativ-Schrift etc. zu schaffen ist. Den Abschluß macht eine gute Typo-Checkliste, die gerade Anfänger/innen für ihre Arbeiten nutzen sollten. Doch auch alte Hasen der Typografie finden sicherlich noch den ein oder anderen Tipp.
Der größte Teil mit 250 Seiten nimmt die Vorstellung der Vielzahl von Schriften ein. Schuler geht allerdings nicht von der zwar immer noch geltenden, aber nicht unbedingt zeitgemäßen DIN-Schriftklassifikation aus, sondern hat eigene, modernere Kategorien aufgestellt, ohne den Anspruch zu haben, die DIN 16518 zu modernisieren.
Zu jeder Schriftkategorie bekommt man Informationen über Geschichte und Schriftentwicklung, über Erkennungsmerkmale bis hin zu den Typedesigner/innen.
Schriftmuster gibt es ebenso wie Informationen, wie gut die Schrift ausgebaut ist, wie viele Schnitte sie hat und bei welchem Anbieter man die Schriften bekommen kann.
Neben den klassischen Schriften - Antiquas, Grotesk, Serifenbetonte etc. - findet man hier auch Kategorien wie Underground, Gothic, Jugendstil, Art Deco sowie zu modernen Auszeichnungsschriften.
Denn Buchabschluß macht ein spannender Streifzug durch Typografische und gestalterische Stilgeschichte mit Jugendstil, neue Sachlichkeit, Art Deco bis hin zu Punk, New Wave und auch der Gegenwartstypografie.
In der Infothek findet man noch Informationen über die Schriftangebote der Fontanbieter, über Schriftdesigner/innen und Literaturhinweise.
Anbei gibt es noch eine CD-ROM mit einigen Shareware-Fonts und ein Informatives Typoposter.
Wie man aus der ausführlichen Beschreibung schon erkennen kann, steckt das Buch voll mit Typo-Infos. Meiner Meinung nach ein erstklassiges Buch für Neueinsteiger/innen, alte Hasen und Typo-Fans. Kaum was wird ausgelassen, aber der wahre Plus des Buches liegt daran, denjenigen, die bisher sich nur mit Murren der Typografie und Schriften auseinandergesetzt haben, auf den Geschmack zu bringen. Wer dieses Buch gelesen hat wird nie wieder lediglich mit Arial und Times seine Drucksachen setzen. Es ist kein klassisches Typografie-Lehrbuch, sondern mehr eines, das auch Wissen rund um Schriften, ihre Entwicklung und ihre Macher/innen gibt. Und trotzdem habe ich kaum eine bessere Erklärung der Fonttechnologie auf so knappen Raum gesehen. Wer ein gutes Buch über Schriften und Typografie sucht ist mit dem »Typoatlas« bestens beraten. |