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Der Stiebner Verlag hat bereits mit einer Buchreihe u.a. mit den Titeln »Typografie«, »Druck & Veredelung«, »Bild & Grafik«, »Format« und »Farbe« einige Titel der beiden Autoren Gavin Ambrose und Paul Harris veröffentlicht. Wie bei den bisherigen Titel handelt es sich dabei um übersetzte Lizenzausgaben. »Grundlagen der Typografie« ist im Original 2007 bei AVA Publishing erschienen.
Der vorliegende Titel ist voll mit Informationen zur Geschichte der Schrift, Buchstabenelementen, Goldener Schnitt, Seitengestaltung, Satzarten, Schriftgrößen, Lesbarkeit und Anwendungsmöglichkeiten der Typografie. Das Ganze wurde reichlich bebildert und illustriert. So weit so gut, aber darin liegt auch die Schwäche des Buches. Die Buchseiten sind auf Grund der Fülle von Text und Abbildungen so überladen, dass es dem Leser Schwierigkeiten bereitet, längere Zeit am Stück darin zu lesen, während gleichzeitig die meisten Themen nur sehr knapp angeschnitten werden und den Leser mit mehr Fragen als zuvor zurücklassen.
Auch die gute gemeinten Zusammenfassungen der wichtigsten Inhalte sind weder besonders gut lesbar gestaltet noch machen sie wenig Sinn, wenn sie noch einmal den Text einer Buchseite, die aus 21 Textzeilen besteht, nochmals komprimieren. Die Autoren hatte viele gute Absichten, aber es ist ihnen nicht gelungen, diese umzusetzen.
Hinzukommen noch Ungenauigkeiten wie die Existenz der gebrochenen Schriften von 1150–1500 – und danach gab es keine mehr? Oder Formulierungen wie »NS-Deutschland, vor 1945«. Zum Glück gab es ein »nach 1945« für die offizielle Nazi-Kunst nicht mehr.
Das Buch irritiert zusätzlich noch, wenn die Übersetzung nicht korrekt ist. Bei der Schriftklassifikation im englischen Sprachbereich werden klassizistische Antiquas als »Modern« bezeichnet. Bei der Übersetzung kann man hier aber nicht das englische »Modern« mit dem deutschen Wort »modern« übersetzen. Denn dann entstehen so sinnentleerte Sätze wie »Moderne Schriften wirken eher stilisiert«. Hier wünscht man sich als Leser ein fachspezifisch kompetentes Übersetzungsbüro, das auch die entsprechenden Fachbegriffe in beiden Sprachen kennt.
Aber auch fachliche Angaben der Autoren führen häufig zu Kopfschütteln. Zum Thema Druck- und Weiterverabeitung sind eine Fülle absurder Aussagen versammelt. Hier nur ein Beispiel:
»Bleisatz: Auf dem Cover von Paw Prints, einem vom Designstudio Webb&Webb veröffentlichten Buches, ist eine Schrift zu sehen, die an Zeiten des Bleisatzes erinnert«
Nicht, dass das Cover im Bleisatz – passend zum Thema gedruckt wäre – nein die Schrift sieht nur so aus als ob. Und was darf der Leser dann bestaunen, das ihn an Bleisatz erinnert? Ja, genau eine Serifenschrift. Was soll das? Leider geht es so auf vielen Seiten weiter.
Das Positivste, neben dem guten Willen der Autoren, sind die teils sehr gelungen Abbildungen von verschiedenen Designbüros in diesem Buch. |